Der Himmel war bedeckt. “Perfektes Wetter fürs Training. Nicht zu heiß” wird mir erklärt. Um mich herum ist einiges los. Es wird aufgewärmt, balanciert, gesprungen, der eine oder andere übt seinen Handstand. Und das Training hat noch nicht einmal begonnen. Das erste, was mir aufgefallen ist, war die herzliche Stimmung. Neuankömmlinge werden herzlich begrüßt, so gut wie jeder hat ein Lächeln im Gesicht. Und das am Samstag Morgen.

parkour-group

Nach einem kurzen Warmlaufen kommen ein paar Lunges, etwas Fortbewegen auf allen Vieren und ein paar Hüpfeinlagen. Dann teilt man sich in Gruppen auf und es geht los. Bei uns steht Überwinden einer nicht sehr hohen Mauer (so knapp unter Hüfthöhe) auf dem Programm. nach ein paar Runden “geht mal rüber wie ihr denkt, dass es passt” werden die ersten Techniken gezeigt.

Los geht es mit dem “Lazy” ( passement latéral )

Ist ne ganz einfache Sache. Wäre die Mauer nicht so breit. Und ich nicht nur die alte Hockwende aus dem Sport so gewohnt.

Oder größer. Oder wären meine gebrochenen Zehen schon wieder besser verheilt. In kürzester Zeit fallen mir unglaublich viele Ausreden ein, warum  alle sich irgendwie deutlich besser anstellen als ich. Aber ich gebe nicht auf und versuche es wieder. Und wieder. Und jedes mal klappt es etwas besser. Ich beginne Land zu sehen.

Drei Meter weiter macht jemand nen Salto von der Mauer. Ich überlege mir kurz zu schmollen, oder einen Krampf vorzutäuschen. Mach dann aber noch einen weiteren Versuch über die Mauer zu hüpfen. Nicht gut. Aber schon besser.

Ich munter mich mit dem Gedanken auf, dass ich andere Sachen wohl besser hinbekommen werde. Dann geht es zur “Katze” ( saut de chat ). Was wohl der deutsche Name von dem ist, was ich schon in der Schule nie gescheit konnte: Hocke über den Kasten.

Oder in dem Fall: über eine Mauer. Fazit: ich sollte das üben. (Nachtrag: Hab ich am nächsten Tag im Wald auch gemacht. Der Lazy über Hindernisse, die nicht so breit sind, funktioniert jetzt auch ganz passabel. Für den Donkey Valut muss ich wohl erst meine Hüftbeweglichkeit verbessern … oder meine Arme wachsen lassen. Oder eine bessere Technik erlernen. Evtl. auch etwas von allem).

Wir gehen zur nächsten Location. Balancieren steht auf dem Programm. Auch hier konnte ich kaum schlechter aussehen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass die Steigerung von “furchtbar” zu “schlecht” ja meist recht schnell geht, und ich daher wohl bald mit Fortschritten rechnen kann.

Und weiter gehts. Jetzt steht das Erklimmen einer Mauer auf dem Programm. Und zum ersten Mal an diesem Tag, habe ich den Eindruck, dass ich mich zu doof anstelle. Irgendwas müssen die Klimmzüge ja auch gebracht haben.

Bei den folgenden Präzisionssprüngen (am Boden, nicht an der Mauer) kommen mir wieder meine Zehen in die Quere. Aber bis zum nächsten Workshop sind die sicher wieder verheilt. Dann brauche ich da wohl ne neue Ausrede.

jump

Zum Abschluss, nach etwa 2h Techniktraining treffen sich noch mal alle für etwas gemeinsames Krafttraining. Kurz werden die Übungen gezeigt und Varianten erklärt. Meiner einer macht natürlich die schwersten Varianten, einfach nur, weil ich nach dem ganzen Nicht-Können froh bin, mal was halbwegs auf die Reihe zu bekommen. was ich gerade noch für eine gute Idee halte, wird mich zwei Tage später zum fluchen bringen, denn der Muskelkater war nicht von schlechten Eltern.

So, das wars. Alle lächeln. Ein paar wollen direkt weiter machen. Ich will was essen. Aber es hat Spaß gemacht. Obwohl ich absolut unterirdisch war. Vielleicht auch gerade deswegen. Und ich muß gestehen, ich bin beeindruckt. Nicht nur, weil ich ein paar wirklich coole Sachen gesehen habe, sondern auch weil dieser Workshop sehr gut organisiert war. Weil die Stimmung klasse war. Weil die Trainer Ahnung hatten.

Wenn ihr in der Gegend von Stuttgart wohnt, schaut mal rein. Es lohnt sich. Der Einsteiger Workshop ist immer jeden ersten Samstag im Monat. Vielleicht sieht man sich ja beim nächsten?

Mehr Info: Parkour Stuttgart