Brazilian Jiu-Jitsu oder Grappling im allgemeinen lebt von dem Verständnis der einzelnen Positionen. In welcher Position man zum Partner ist, bestimmt zu einem großen Maß die Optionen, die man hat. Daher ist das Erkennen der Positionen eine der wichtigsten ersten Schritte zu einem Verhalten, dass auf mehr als nur Reaktion auf die Aktionen des Partners besteht.

In diesem ersten Teil werden nur die Positionen kurz beschrieben. In den folgenden Teilen gehe ich dann auf die Aktionen ein, die man zur Positionsverbesserung oder zum Ansatz von Aufgabegriffen (Submissions) nutzen kann.

Ich nutze im Training meist die englischen Namen, versuche aber auch eine passende Übersetzung zu bieten. Wichtig ist das Verständnis der Positionen als Kontrollpositionen, nicht als Festhaltegriffe wie im Judo. Die Positionen im BJJ sind dynamisch und dienen dazu entweder zu einer noch vorteilhafteren Position zu wechseln, oder einen Hebel oder Würgegriff anzusetzen, um den Gegner zur Aufgabe zu zwingen.

Fluss zwischen den einzelnen Positionen

Fluss zwischen den einzelnen Positionen

Guard

Es hat sich noch kein guter Begriff eingebürgert, ich persönlich überstze Guard mit “Deckung” analog zur Deckung mit den Fäusten im Stand, so sind meine Beine am Boden meine Deckung, die mich vor Aktionen des Gegners schützen soll. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Varianten. Die grundlegende Unterscheidung ist aber meist ob die Person in Unterlage die Füße hinter dem Rücken des Partners geschlossen ( closed guard ) oder offen ( open guard ) hat.

closed_guard

Closed Guard – die Füße sind hinter dem Rücken geschlossen

 

Open Guard - Die Beine sind nicht verschränkt. In dieser Variante sind die Füße an der Hüfte des Partners

Open Guard – Die Beine sind nicht verschränkt. In dieser Variante sind die Füße an der Hüfte des Partners

Von der Guard kommt die Person in Unterlage durch ein Kippen des Gegners (Sweep) in die Mount ( Reitsitz ), ggf. kann man ihn auch drehen und so in seinen Rücken gelangen.

Ist man in der Guard des Gegners, so sollte man sich aufrichten, die Beine des Partners öffnen und dann versuchen an seiner Deckung vorbei zu kommen. Geh nach der Art und Weise wie man die Guard passiert, landet man in einer seitlichen oder sogar in der Reitposition.

Sidecontrol

In der seitlichen Kontrollposition kann der  Partner in Oberlage einen hohen Anteil seines Gewichts auf den unten liegenden bringen. Dadurch ist der obn liegende Partner stark im Vorteil und kann Aufgabegriffe anwenden, und durch einen Positionswechsel in die Mount oder Backmount gelangen. Der unten liegende Partner sollte in der Regel versuchen seine Position zu verbessern und durch eine Befreiung in Guard oder auch Side Control zu gelangen, bevor er selbst angreift. Auch hier gibt es viele Varianten, typisch sind die Seitschärpe ( scarf hold, kesa gatame ) und die side mount ( yoko shiho gatame ).

Side Mount - Der Partner wird belastet, Schultern und Hüfte werden kontrolliert.

Side Mount – Der Partner wird belastet, Schultern und Hüfte werden kontrolliert.

Scarf Hold - der Arm liegt wie eine Schärpe um den Hals und Schulterbereich, der nahe Arm des Gegners wird zur Kontrolle am Ellenbogen fixiert

Scarf Hold – der Arm liegt wie eine Schärpe um den Hals und Schulterbereich, der nahe Arm des Gegners wird zur Kontrolle am Ellenbogen fixiert

Knee Mount ( Knee on Stomach )

Die Oberkörper wird durch das Knie belastet, durch Zug mit den Armen wird der Druck verstärkt. Diese Position ermöglicht einen hohen Druck auf den Partner zu bringen, erlaubt aber gleichzeitig eine hohe Beweglichkeit der kontrollierenden Person. Wird meist benutzt um Öffnungen zu suchen oder zu provozieren, für den Abschluss wird dann zumeist in andere Positionen gewechselt. Die unten liegende Person wird wieder versuchen in Guard oder Sidecontrol zu entkommen.

Mount

Die Reitposition erlaubt eine gute Kontrolle des Gegners und der oben liegende Partner kann einen Großteil seines Körpergewichts zum Einsatz bringen. Der Körperschwerpunkt sollte möglichst tief gehalten werden, um ein Abwerfen / Kippen zu erschweren. Die oben liegende Person hat einen deutlichen Vorteil und kann eine Vielzahl von Hebeln und Würgern ansetzen. Die unten liegende Person muss versuchen zu “überleben” und möglichst geschickt in eine bessere Position zu gelangen – in der Regel wird versucht durch einen Sweep in die Guard des zu vor oben liegenden Partners zu gelangen.

Mount Position- man beachte den tiefen Schwerpunkt, welcher ein Abwerfen erschwert.

Mount Position- man beachte den tiefen Schwerpunkt, welcher ein Abwerfen erschwert.

Back Mount

Schafft man es in den Rücken des Partners zu kommen, so hat man einen gewaltigen Vorteil: man kann Arme und Beine gut einsetzen und hat den Partner vor Augen. Dieser hat jedoch kaum Möglichkeiten auf die Person hinter sich ein zu wirken und muss sich auf Verteidigen und Positionsverbesserung konzentrieren.

Back Mount  - Der Oberkörper und ein Arm werden durch den Griff über die Schulter  mit dem einen, und unter der Achsel mit dem anderen Arm gut kontrolliert.

Back Mount – Der Oberkörper und ein Arm werden durch den Griff über die Schulter mit dem einen, und unter der Achsel mit dem anderen Arm gut kontrolliert.

Damit sind die wichtigsten Postionen kurz beschrieben.

Im nächsten Teil geht es um die Guard, und die Optionen die sich beiden Akteuren aus dieser Position bieten.