Ich habe letzte Woche eine Email erhalten, in der ich folgendes gefragt wurde (übersetzt aus dem Englischen):

Nur mal angenommen, wir hätten eine Schule, in der in erster Linie Kombinationen geübt werden (Angreifer friert ein, Verteidiger zieht sein Ding ab). Ab und zu wird auch mal festgelegtes Kumite gemacht, aber kein “freies Sparring.” Wie würdest Du denen Sparringsgrundlagen beibringen? Wenn man ihnen Schützer gibt und sie einfach machen lässt, ist das Ergebnis nicht so umwerfend.

Die Antwort ist recht einfach. Man orientiert sich an den Sportarten, bei denen Sparring eine natürliche Sache ist. Und lernt von deren Trainingsmethoden. Kandidaten wären Kyokushinkai Karate, Boxen, Thaiboxen und Kickboxen für die schlagenden Sportarten. Judo, BJJ, Ringen, Luta Livre und Sambo können für Ideen für Takedowns und Bodenarbeit genommen werden. Beides lässt sich anfangs gut getrennt trainieren und wenn ein Auge für die Distanz vorhanden ist und die Techniken sitzen, kann man beides verbinden.

Grundlagen

Es ist immer wichtig erst die Grundlagen zu legen, bevor man Leute sparren lässt. Und hier lohnt es sich nach der Häufigkeit zu gehen und entsprechend zu trainieren. Im (Amateur) Boxen wird von folgender Verteilung der Schläge ausgegangen:

  • 75% Jab
  • 20% Cross mit der Schlaghand
  • 4% (Seit-) Haken
  • 1% Aufwärtshaken

Es macht also durchaus Sinn, sich anfangs bei den Schlagtechniken auf Jab/Cross zu konzentrieren.

Bei den Tritttechniken sind die Halbkreistritte die häufigste Variante.

Bei Abwehrtechniken sollte der Schwerpunkt am Anfang beim liegen, also darin ein möglichst unempfindlichen Körperteil (oder Handschuhe) zwischen den Schlag und das(empfindliche) Ziel zu bringen. Wichtig ist, hier nur kleine Bewegungen zu machen, um mit der Abwehr nicht an anderen Stellen große Löcher in die Deckung zu reißen. Wenn dies gut funktioniert kann man das Parieren von Schlägen üben. Und wenn dies gut klappt mit dem  Ausweichen und Pendeln beginnen. Dies sind sehr gute Methoden einem Angriff zu entgehen und sich dabei in eine gute Konterposition zu bringen. Allerdings sind hier auch ein gutes Auge und Gefühl für Timing nötig. Und beides bekommt man durch ausgiebiges trainieren der vorhergehenden defensiven Techniken.

Jab/ Cross

Hier eine einfach Übungsfolge. Wechsel zur nächsten Übung kann entweder nach Ablauf einer gewissen Zeit (30sec – 3min) oder einer gewissen Wiederholungszahl erfolgen.

Solo

  • Jab im Stand. Auf ansatzlose Ausführung achten
  • Jab mit Schritt vorwärts. Den Jab schlagen, wenn der Fuß nach vorne geht
  • Jab mit Schritt vorwärts. Den Jab schlagen, wenn der hintere Fuß herangezogen wird
  • Jab mit Schritt rückwärts. Den Jab schlagen wenn der erste Fuß abgesetzt wird
  • Jab mit Schritt diagonal rückwärts
  • Jab mit Drehung. Der vordere Fuß bleibt stationär und dient als Drehpunkt. Das hintere Bein wird entweder im Uhrzeiger- oder Gegenuhrzeigersinn umgesetzt. Beim Aufsetzen des Beins kommt der Jab
  • Jab-Cross im Stand
  • Jab-Cross mit Schritt. Jab beim Absetzen des vorderen Beines. Hinteres Bein nachziehen. Dann den Cross schlagen
  • Jab-Cross mit Schritt.  Jab beim Absetzen des vorderen Beines. Den  Cross schlagen während das hintere Bein nachgesetzt wird
  • Jab-Cross mit Schritt.  Den Jab schlagen, wenn der hintere Fuß herangezogen wird. Dann den Cross schlagen

Mit Partner

Diese Übungen sind als “Übungen” zu verstehen. Nicht als Sparring. Der Kontakt sollte leicht gehalten werden. Augenmerk liegt auf Technik und Präzision.

  • Bahnen  laufen. Partner 1 schlägt Jabs im vorwärts gehen. Partner 2 wehrt ab (passiver Block). Am Ende der Bahn Jab/Cross schlagen. Dann werden die Rollen gewechselt und Partner 2 schlägt die Jabs.
  • Freies Bewegen im Ring/ Dojo. Partner 1 schlägt nur Jabs. Partner 2 lässt die Schläge auf die Deckung gehen. Wechsel nach Ablauf einer gewissen Zeit.
  • Schattenboxen gegen den Partner.
  • Freies Bewegen im Ring/ Dojo. Partner 1 schlägt nur Jabs. Nach 5 Schlägen werden die Rollen gewechselt.
  • Freies Bewegen im Ring/ Dojo. Partner 1 schlägt Jab-Jab-Cross. Dann Wechsel.

Kicks

Ein guter Startpunkt ist der Low-Kick Drill über den ich vor einiger Zeit berichtet habe. Wenn dieser Drill flüssig läuft, kann man den Lowkick mit Schlagkombinationen verwenden. Wichtig: Wann immer hier von einem “Tritt mit dem vorderen Bein” die Rede ist, so wird erst ein Auslagewechsel durchgeführt, dann getreten. Bei Linksauslage würde ein Tritt mit dem (vorderen) linken Bein also so aussehen: Stand in Linksauslage, Auslagewechsel in Rechtsauslage, dann Tritt mit dem linken Bein, Absetzen in Linksauslage.

  • Jab mit Schritt, Kick mit dem hinteren Bein
  • Kick mit dem vorderen Bein, Doppel-Jab beim Absetzen
  • Kick mit dem hinteren Bein, Jab mit Schritt
  • Jab-Cross, Kick mit dem vorderen Bein
  • Jab-Cross-Jab, Kick mit dem hinteren Bein

Das sind einfache Kombinationen die am Boxsack, dem Schlagpolster oder am Partner geübt werden können. Wird die Kickhöhe variiert (Oberschenkel, Rippen, Kopf) so ergeben sich hier einige Varianten. Diese sollten alle regelmäßig geübt werden.

Und hier noch ein kleines Beispiel für die unglaubliche Wirkung der Lowkicks…

😉

 

Bildnachweis: “Intro to Sparring Class” von August Rode