Einer der gern gemachten Fehler beim Hüftwurf  ist, dass man den Gegner auf sich “lädt” anstatt ihn über sich hinweg zu kippen. Nicht Aufladen und halten/ tragen, kippen über die Hüfte ist die Idee hinter diesem Wurf. Und das ist ein Fehler, der teilweise systematisch durch entsprechende Übungsformen antrainiert wird.

Judo Hüftwurf– © OLJensa / depositphotos.com

Judo– © OLJensa / depositphotos.com

So gibt es zum Beispiel das “Sandsack Spiel”, bei dem der Partner in einer dem Hüftwurf ähnelnden Position auf den Rücken geladen, ein paar Schritte weit getragen und dann abgeworfen wird.

Falsch

Das führt zu vielen falschen Gedanken, die dann später im Training wieder korrigiert werden müssen. Lade ich jemanden auf meine Hüfte oder meinen Rücken auf, so lastet das Gewicht komplett auf mir. Daher kann ich den Partner ja auch tragen. Genau da liegt aber auch das Problem.

Werfen, nicht tragen

Denn bei einen Wurf will ich nicht, dass das Gewicht des Partners auf mir lastet. Ich möchte ihn über mich hinweg kippen. Nicht auf mich drauf ziehen. Ich möchte den Empfänger des Wurfes (Uke) nicht in ein neues Gleichgewicht auf mir bringen, ich möchte sein Gleichgewicht brechen und dies nutzen um ihn zu Boden zu bringen.

Theoretisch reicht dazu ein kräftiger Zug und meine Hüfte als Hindernis aus. Der Partner kippt über meine Hüfte hinweg und fällt zu Boden. Durch ein Strecken der Beine im richtigen Moment (wenn er bereits über mich drüber hinweg kippt) beschleunigt ihn zusätzlich und verhindert, dass er es schafft sein Gewicht auf mich zu bringen.

 

Je weniger Gewicht vom Geworfenen auf dem Werfer lastet, um so weniger schwierig wird der Wurf bei steigendem Gewicht des Partners. Wenn man als Lehrer also sieht, wie Leute unter dem Gewicht ihres Trainingspartners leiden, so sollte man prüfen ob der Zug wirklich nach vorne oben geht, oder ob versucht wird, den Partner “auf sich” zu ziehen, anstatt ihn “über sich hinweg” zu ziehen.

kippenBeim “Kleinen Hüftwurf” (uki goshi) kippe ich ihn über eine Hüfte. Quasi diagonal über eine Ecke des roten Quaders.

Beim “Großen Hüftwurf” (o goshi) kippe ich ihn über die obere Kante des Quaders.

Beim “Hüftrad” (koshi goruma) kippe ich ihn ebenfalls über die obere Kante, nur ist diese nun in einem anderen Winkel zum Partner.

Bringe ich ihn bei einem dieser Würfe stabil auf meinem Rücken, so kann ich ihn zwar tragen, oder als Zusatzgewicht für Kniebeugen benutzen, aber es ist keine ideale Position, um ihn mit Schmackes zu Boden zu befördern. Denn ich habe ihn gerade mit Mühe aus dem Gleichgewicht gebracht. Warum ihn in ein neues Gleichgewicht bringen? Natürlich kann man ihn auch aus dieser Position noch abwerfen, oder sich selbst durch eine Rollbewegung zu Boden bringen – und damit auch den auf dem Rücken befindlichen Partner – aber dies macht die Sache umständlicher. Und es ist schon so schwer genug jemanden zu werfen, der nicht nur nicht geworfen werde will, sondern auch noch versucht uns zu werfen.

Darum sollten wir versuchen mit möglichst wenig Aufwand einen möglichst hohen Nutzen zu haben.

Dinge, auf die geachtet werden sollte:

  • Partner nach Schräg oben ziehen.
  • Aufrecht bleiben. Beugt man sich zu früh nach vorn, so ziehen die Arme nach unten. Dadurch wird der Schwerpunkt des Partners gesenkt, und man macht es sich schwerer
  • Zieht den Partner über euch, rammt nicht seine Hüfte mit eurem Hinterteil nach hinten. Dann dadurch bewegt sich der Schwerpunkt nach hinten
  • Die letzten beiden Punkte sind daher so ungünstig, weil der Partner ja nach vorne oben und nicht nach hinten unten gebracht werden soll
  • Zug minimal früher mit dem rechte Arm beginnen (bei einem Wurf rechts), insbesondere wenn der Gegner sonst gerne seitlich entgleitet. Hier aber immer noch auf den Zug nach oben achten.
  • Fällt es schwer, die Füße des Partners vom Boden zu lösen, so muss die eigene Hüfte stärker abgesenkt werden. Die Hüfte muss tief genug sein, dass der Partner drüber kippt, nicht aufläuft

Wenn ihr bei der Ausführung das Gefühl habt, der Partner ruht auf euch, wird euch zur Last, dann arbeitet am Timing oder der Zugrichtung.

Und wenn ihr unterrichtet: Versucht Kraftübungen als Kraftübungen anzusehen, und Judo Würfe als Skill. Vermischt nicht Kraft und Skill beim Erlernen des Wurfes. Im Randori kann man natürlich Probleme in der Technik oder des Timings durch mehr “Oumph” lösen – allerdings ist das eher “godo” oder “go jutsu”, kein judo oder jujutsu.