Ich mach seit 10 Jahren Karate

Schön für Dich. Aber was bedeutet das? Manche gehen 2 mal die Woche für 1 Stunde ins Training (das ist hier eine recht häufiges Angebot in Karatevereinen). Natürlich nicht in den Schulferien. Oder wenn man sich mal nicht so fühlt.  Wenn diese Leute 10 Jahre trainieren haben sie etwa 860 Stunden trainiert ( im Schnitt 43 Wochen x 2 Einheiten = 86 Einheiten im Jahr).

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Zeit

Wenn sich jemand entschließt jeden Tag 30 Minuten für sich zu zusätzlich zu trainieren, üben, oder auch nur darüber nachzudenken, oder seine Abläufe gedanklich durchzugehen, dieses aber wirklich jeden Tag macht, dann hat sie in einem Jahr 182 Stunden extra. Das bedeutet, sie verdreifacht ihre Trainingszeit im Jahr ( 182 Stunden für sich + 86 Stunden im regulären Training). Selbst bei nur 15 Minuten täglich würde sie ihre Trainingszeit mehr als verdoppeln.

Und da sie sich aktiv damit beschäftigt, können auch die Trainingsstunden besser genutzt werden. Evtl. kommen Fragen auf, die dem Lehrer gestellt werden können.

Wenn jemand 3 mal die Woche für je 1.5 Stunden trainiert (Das ist hier eine übliche Menge für kommerzielle Kickboxschulen), dann kommen die Leute im Schnitt auf 216 Stunden im Jahr (48 Wochen Training), d.h. bei 10 Jahren 2160 Stunden.

Und neben der reinen Stundenzahl ist auch die Art des Trainings entscheidend. Was wird trainiert? Wie intensiv? Wo ist der Fokus?

Fokus

Wenn eine Schule einen sehr engen Fokus hat, sagen wir ein Box oder Krav-Maga Schule, dann wird die ganze Energie in einen sehr engen Bereich konzentriert. In dem die Leute dann auch entsprechend gut sind. Je breiter der Unterricht ausgelegt ist, um so mehr verteilt sich die eingesetzte Zeit.

Wenn jemand eine neue KK anfängt und beschließt in Krav-Maga, Judo und Boxen zu machen, dann werden bei den meisten Leuten die Augen groß werden. “Mach doch lieber eine Sache richtig” oder “wenn du all das richtig trainierst, dann wirst du keine Zeit mehr für Erholung/ ein normales Leben/ Schule haben.” Eigentlich klar, wenn er alles 2x die Woche trainiert sind das 6 Einheiten. Und dann auch noch in Sportarten die physisch durchaus anstrengend sind.

Was ist nun aber mit den Sportarten, die eine “Mischung” aus all dem anbieten? Hybridsysteme sind ja nicht gerade selten. Die meisten Hybridsysteme haben einen sehr starke, dominierenden Aspekt. Den sie durch “Kleinigkeiten” aus anderen KKs anreichern um Lücken zu schließen. Eben um eine Auffaserung zu vermeiden.

Im MMA Bereich wird das Problem oft anders angegangen. Die Leute haben einfach 2 Einheiten am Tag, meist eine Grappling- und eine Strikingeinheit. Oder eine “Striking mit Takedowns” gefolgt von einer Einheit BJJ. Mit 3 Trainingstagen die Woche – und kommen so wirklich auf die 6 Einheiten die Woche, können aber, da es nur 3 Trainingstage sind, ausreichen regenerieren.

Intensität

Wer nur zum Training geht, und eben mit macht, der wird nicht den gleichen Nutzen aus dem Training ziehen, wie jemand der heiß auf das Training ist. Seilspringen zum aufwärmen ist öde? Nicht für den Typen da hinten, der gerade doppelt so oft wie du das seil schwingt und dabei an seiner Beinarbeit arbeitet. Und du könntest es genau so machen. Am Anfang evtl. noch nicht ganz so gut, aber du kannst den gleichen Biss reinstecken. Besser werden. mehr geben.

Du magst eine Übung nicht, die dein Trainer gerade vorgeschlagen hat? Heul doch. Oder du machst es einfach. Und wirst besser in der Übung die du hasst. (Jedenfalls wenn der Trainer Ahnung hat, und das Training sinnvoll ist – sonst: Schule wechseln. Aber das ist ein anderes Thema).

Relevanz

Wenn man die Wahl hat, sollte man auch relevante Dinge üben. Dies sind Dinge, die man noch nicht richtig kann, die einen aber deutlich weiter bringen würden, wenn man sie könnte. Hier kann es hilfreich sein, den Trainer zu fragen.  “Woran sollte ich besonders arbeiten?”, “Was wäre ein kleine Änderung, die einen großen Unterschied ausmachen würde?”