Unser Gehirn spielt uns Streiche. Die ganze Zeit. Und das sorgt für viele unserer Probleme. Nehmen wir mal die Sache mit dem Übergewicht. Da geht man glücklich und zufrieden aus dem Haus. Ahnt nichts böses. Und dann passiert eine Kleinigkeit. Eine Reflektion in einem Schaufenster. Der Kommentar einer Bekannten. Und plötzlich wird einem klar “Bin ich fett geworden!”

Die Selbstwahrnehmung wechselt in Sekundenschnelle von “passt schon” zu “O du meine Güte, wie konnte das passieren.” Schlagartig ist man fett. Und nimmt sich vor gleich etwas zu unternehmen. Und die Umgebung ist voll von total guten und absolut sinnig klingenden Ideen. Das Fitnessstudio bietet 3 Monate Bauch-Weg-Kurse an. Und hat gerade ein “sparen sie 100€ wenn Sie sich jetzt anmelden” Angebot.  Zeitschriften klären uns über die neue Diät auf, in der man in wenigen Tagen 5-10 Kilo verlieren kann. Oder werben für ihr 6-Wochen-zum-Sixpack Super-Duper-Workout.

All diese Dinge sprechen uns auf einmal direkt an. Sind für uns gemacht.

Blöd ist nur, dass uns hier gerade 2 Streiche auf einmal gespielt werden.

Schlagartig dick

Wir haben das Gefühl “auf einmal” dick zu sein. Gestern, vor dem Ereignis, das uns die Augen geöffnet hat, war die Welt ja noch in Ordnung.

Und wenn man schlagartig dick werden kann, dann muss man doch auch genauso schnell abnehmen können. 3 Monate klingen da verdammt lang. 6 Wochen zum Sixpack schon viel besser. Aber 6 Wochen? Es hat nur Sekunden gedauert, um die Selbstwahrnehmung von “passt” auf “dick” zu ändern. Aber ich brauche 6 Wochen um mein Sixpack zu bekommen? Abnehmen ist viel schwerer als zunehmen.

Wenn man es so schreibt klingt es natürlich offensichtlich, das man nicht “auf einmal” dick geworden ist. Natürlich hat das länger gedauert. Das ist unserem Gehirn aber erstmal egal. Gestern hatte es noch “normal” gespeichert. Heute “dick.” Die Änderung war für unser Hirn plötzlich. Daher kommt uns das Abnehmen auch so mühsam vor. Dabei ist es wirklich nicht schwieriger als zunehmen. Nur während wir quasi unbewusst zugenommen haben, wachen wir über das Abnehmen mit Argusaugen. Und sind schnell frustriert, wenn sich die Ergebnisse nicht sofort einstellen.

Zunehmen ist schwer

Ich habe ein paar Freunde, die nach eigenen Angaben “futtern können was sie wollen” ohne zuzunehmen. Darunter einige, die gerade angestrengt versuchen zuzunehmen. Mit gemischten Resultaten. Die werden der Aussage “zunehmen ist schwer” sofort zustimmen. Viel wichtiger ist aber, daß sich das auch jeder klarmacht, der gerade ein paar Pfund zu viel auf der Waage hat. Die extra Pfunde zu sammeln war nicht leicht. Das hat gedauert. Und jede Menge Nahrung erfordert. Bewegung und alles, was Kraft erfordert hat, alles was anstrengend war hat die Gewichtszunahme verlangsamt. Erst nach Monaten und Jahren haben wir es geschafft genau die Menge an Extrafett zu haben, die uns gerade so schlagartig bewusst geworden ist.

Und es ist wirklich wichtig sich das klar zu machen.

Wir haben unbewusst über eine wirklich lange Zeit hinweg an dem Speck gearbeitet.

Bevor ich dazu übergehe, etwas darüber zu schreiben, wie man die Extra Speckrolle wieder loswerden kann, möchte ich noch auf den zweiten Streich eingehen, den unser Gehirn uns ständig spielt.

Die Sache mit der Normalität

Was ist “normal”? Normal ist, (normalerweise) das, was wir normalerweise tun. Klingt doof? Ist es auch. Aber genau das beschreibt das Problem recht genau. Für einen Marathonläufer ist es total normal pro Woche eine recht hohe Anzahl von Kilometern laufend zurückzulegen. Ein Bodybuilder findet seine Ernährung und seinen Trainingsplan normal. Vegetarier finden es normal kein Fleisch zu essen und fragen sich, warum das für manche so schwer zu verstehen ist. Chinesen empfinden es als total normal Chinesisch zu sprechen. Ich finde es total normal jeden Tag irgendeine Art von Kampfsport zu trainieren. Videospieler finden es total normal jeden Tag etwas zu daddeln. Für viele Deutsche ist es total normal jeden Tag ein paar Stunden vor dem Fernseher zu verbringen.

Was für den einen “total normal” ist, kann für einen anderen eine absolute Herausforderung sein.

Das bedeutet aber auch, dass wir selbst bestimmen können, was für uns normal ist. 

Vor dem “Aha!” Erlebnis war das Gewicht “normal”. Danach “zu dick.” Wenn man jetzt nichts tut, dann wird unser Gehirn den neuen Zustand recht schnell als “normal” ansehen. Denn genau das ist es, was “normal” ja bedeutet. So wie es eben die meiste Zeit über ist. Und ab dem Zeitpunkt, wo wir bemerkt haben, dass wir “zu dick” sind, ist das für unser Hirn eben der aktuelle Zustand. Und wenn wir das akzeptieren, dann wird “dick” das neue “normal.”

Veränderung

Veränderung ist eine schwierige Sache. Mit dem, was wir bisher so getan haben, sind wir dorthin gekommen, wo wir im Moment sind. Veränderung bringt all das durcheinander. Es bringt Ungewissheit. Mögliche Probleme. Die Möglichkeit, das gesteckte Ziel nicht zu erreichen.

Genau daher ist Veränderung so schwer. Viele Leute die eine Veränderung vornehmen (Abnehmen, Muskeln aufbauen, Gesund ernähren, etc.) ernten von ihrer Umgebung erstmal einige negative Kommentare. Auch das liegt daran, dass Veränderung schwer ist. Unsere Freunde bemerken, dass wir uns ändern. Das könnte evtl. Auswirkungen auf die Freundschaft oder einfach nur auf die Bequemlichkeit haben. Also sind sie erstmal skeptisch. Denn Veränderung ist schwer. Schwer für die Person die sich ändert, und schwer für die, die mit uns zu tun haben. Auch das muss man sich klar machen.

Wir haben bisher also 3 Punkte:

  • Dick werden hat Zeit gedauert und war nicht einfach
  • Was normal ist, bestimmen wir selbst
  • Veränderung ist schwer

Ok. Aber wie kann uns das weiterhelfen?

Schritt 1: Bewusst machen der aktuellen Situation

Das was, für uns gerade “normal” ist, ist der Grund, warum wir dick werden. Also müssen wir erstmal erkennen, was an unserem “normalen” Verhalten uns dick macht. Wenn Sport und gesunde Ernährung uns schlank machen, dann werden “schlechtes Essen” und “Bequemlichkeit” uns wohl dick werden lassen. Klingt total logisch. Eigentlich wissen wir das. Aber irgendwie achten wir nicht mehr drauf (ist ja auch klar: denn unser aktuelle Lebenswandel ist normal, und fällt uns folglich auch nicht mehr auf). Wir müssen also jetzt bewusst wahrnehmen, was wir sonst einfach nur normalerweise tun.

Das bedeutet: Aufschreiben was man täglich isst und trinkt. Oder mit der Handykamera ein Foto von machen. Mindestens für eine Woche. Dann hat man so einen groben Überblick über das, was man isst.

Zusätzlich auch noch “körperliche Aktivitäten” aufschreiben. Das kann manchmal ganz einfach sein. Aufstehen, Duschen, Frühstücken, 2 Minuten zum Auto laufen, 20 Minuten zur Arbeit fahren. Aufzug zum Büro nehmen. 8 Stunden am Schreibtisch sitzen, unterbrochen vom Gang in die Kantine ( Fahrstuhl ). 20 Minuten nach Hause fahren. 2 Minuten zum Haus laufen. Abendessen vorbereiten. 3 Stunden Fernsehen dabei Abendessen. 1 Stunde Internet surfen. Ab ins Bett.

In einer solchen Aufzählung mal die Sachen grün markieren, bei der man körperlich in Bewegung ist. Und nein, Autofahren zählt nicht. Dann alle sitzenden Tätigkeiten rot markieren.

Dann mal die 3 Zeiten vergleichen. Also die grün markierten, die rot markierten und die nicht markierten.

Schritt 2: Etwas ändern

Veränderung ist schwer. Das gute ist, sobald wir etwas geändert haben, wird es bald wieder normal für uns. Die magische Grenze liegt irgendwo zwischen 3 Tagen und 2 Wochen. Wenn man also eine Änderung 2 Wochen lang durchhält, dann wird diese “normal.”

Aber was soll man ändern? Bei der Ernährung gibt es soviel unterschiedliche Ansichten. Ich persönlich bin ein Fan von “Slow Carb.” Also den Konsum von Zucker und anderen schnell verwertbaren  Kohlenhydraten einzuschränken (Mehr Infos dazu gibt es im Buch “Der 4-Stunden Körper“). Ich würde daher in der Essensliste nach Dingen suchen, die viel Zucker haben. Und dann beschliessen, diese Dinge entweder ganz weg zu lassen oder deutlich weniger davon zu futtern. Schokoriegel, Kuchen Cola und Fruchtsäfte wären so die üblichen Verdächtigen.

Dann wäre es noch klasse, wenn man mehr Bewegung in den Tag bringt (also mehr Grün auf den Tagesablauf-Zettel). Einfache (aber nicht bequeme) Lösungen wären zum Beispiel: Das Auto weiter weg vom Haus und der Firma entfernt parken. Treppen anstatt Aufzügen nehmen. Jede Stunde etwas leichte Gymnastik am Arbeitsplatz einstreuen. 30 Minuten der Fernsehzeit für einen Spaziergang tauschen.

Wer möchte, der kann sich auch an einem oder 2 Tagen die Woche Sport vornehmen. Ins Fitness Studio gehen. Sich mit Freunden zum Squash verabreden. Im Winter Schlittschuhlaufen gehen. Am Wochenende mal ein paar Stunden radeln.

Es ist ggf. sinnvoll, sich pro Monat nur eine Sache vorzunehmen, die man ändern möchte. Zum Beispiel etwas Frühsport machen. Oder eben einen täglichen Spaziergang machen. Dadurch wird vermieden, dass man sich verzettelt. Man kann sich voll und ganz auf die eine Änderung konzentrieren, die man zur Gewohnheit machen möchte.

Schritt 3: Beobachten

Die ersten 2 Wochen würde ich vorschlagen, die Speisen zu dokumentieren. Nach Möglichkeit den Tagesablauf auch. Wobei ich hier nur einmal die Woche die “typischen” Tage protokollieren würde. Also einen “normalen Werktag.” Einen “Werktag mit Sport”, etc.

Auch würde ich hin und wieder mal einen Blick auf den Bauchumfang und (seltener) auf die Waage werfen. Bisher sind diese Werte immer größer geworden. Wenn sie nun gleich bleiben oder sogar kleiner werden, dann ist dies bereits ein Erfolg.

Nicht wundern oder ärgern, wenn nach ein paar Wochen der Erfolg etwas geringer wird. Das ist normal. Dann kann man einfach (und inzwischen ist es wirklich einfach) noch etwas ändern (noch besser Ernähren, mehr Sport oder intensiver Sport treiben, etc.)

Wichtig ist nur: Dabei bleiben.

Wenn man 5 Jahre damit verbracht hat sich ein Fettpolster anzufuttern, dann kann man nicht erwarten das Polster in wenigen Wochen loszuwerden. Die Gute Nachricht ist: Es wird auch keine 5 Jahre dauern. Denn man hat ja “unbewusst” zugenommen. Und jetzt nimmt man aktiv ab. Es geht also wirklich deutlich schneller.

Man muss etwas tun

Extrem wichtig ist, dass man selbst etwas ändert. Das man bewusst entschließt sein Leben zum Positiven zu wenden. Und sich nicht auf die Versprechen anderer (wie zum Beispiel der Werbung) verlässt.

Zunehmen ist genauso schwer wie abnehmen. Und wer ein Polster auf den Hüften hat, der hat das hinbekommen. Folglich ist Abnehmen auch kein Problem.

Also, los gehts!