frustIch hatte heute eine interessante Unterhaltung mit Claudia (Name vom Autor geändert). Claudia ist hübsch, intelligent und sportlich. Und hat den Eindruck rein gar nichts auf der Matte gebacken zu bekommen.

Zum einen liegt das daran, dass sie noch nicht all zu lange dabei ist. Eine Anfängering hat eben noch nicht die Erfahrung, von jemand, die schon länger dabei ist. Ist ja eigentlich auch logisch.  Allerdings vergleicht sie sich mit den Leuten aus dem Training, die deutlich länger dabei sind. Was ja zum einen gut ist. Man sieht, wo es hin geht. Wie es aussehen kann und soll.

In ihrem Fall ist es aber ein Problem. Weil sie eben ihre Ausführung mit denen der Fortgeschrittenen vergleicht. Den Unterschied feststellt und verzweifelt. Für sie ist “es erst mal hinschludern” keine Option. Sie hat durch andere Sportarten ein gutes Körpergefühl entwickelt, und merkt eben, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt. Und dadurch wird sie unsicher. Fühlt sich von den anderen beobachtet und meint jeder kleine Fehler wird von jedem sofort bemerkt. Nach etwa einer halben Stunden wird das zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung, und sie ihr Kopf sagt ihr, sie könne es nicht richtig machen. Auch bei guter Ausführung ist sie komplett frustriert, bekommt Blockaden und hat immer weniger Freude am Training.

Als Außenstehender sehe ich aber, dass sie sich “nicht schlecht” anstellt. Im Vergleich zu anderen mit ihrer Erfahrung würde ich sie sogar im oberen Drittel einstufen.

Fehler machen ist gut

Im Laufe des Gesprächs kamen wir darauf, dass jemand, den man als “gut” einstuft, nur deswegen gut ist, weil er die ganzen Fehler schon gemacht hat. In der Tat ist es so, dass man am besten lernt, wenn man an der Grenze seiner Fertigkeiten agiert – und damit eben zwangsläufig Fehler macht. Und jemand, der weniger Fehler zu machen scheint, nicht etwa mehr Talent hat, sondern diese ganzen Fehler einfach schon zu einem anderen Zeitpunkt gemacht hat. Zum Thema Talent habe ich mich ja schon an anderer Stelle lange und breit ausgelassen.

Das Problem ist oft, dass aus dem “Kopf machen” schnell Frustration werden kann. Aber um voran zu kommen, braucht man Begeisterung.

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Man muss also den Punkt finden, an dem man gefordert wird, ohne frustriert zu sein. Idealerweise bewegen sich hier Lehrer und Schüler aufeinander zu. Ist der Schüler zu kritisch in seiner Selbstwahrnehmung, so muss er (oder sie) die Bewegung eben einige Zeit “nicht ideal” ausführen, und darauf vertrauen, dass durch wieder kehrende Korrekturen von seitens des Lehrers über Zeit eine Verbesserung eintritt. Der Lehrer kann wiederum versuchen, auf die Bedenken der Schülerin (oder des Schülers) einzugehen. Eine Unsicherheit bei komplexen Bewegungen kann durch häufigeres Üben von grundlegenden Bewegungen angegangen werden. Hierbei kann auch auf das Körpergefühl eingegangen werden. Werden Schläge am Boxsack oder der Pratze geübt, so bekommt die Schülerin auch eine haptische und akustische Rückmeldung – sie merkt wie sich der Schlag anfühlt, und hört wie er klingt. Wenn nun korrekte Schläge von Trainer herausgehoben werden (“so muss das klingen!”), kann die Schülerin selbstständig daran arbeiten und bekommt direktes, ehrliches Feedback.

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