Hier ist ein interessanter (englischer) Beitrag zum Thema Übergewicht und Fettleibigkeit. Und er zeigt schön, wo das Problem vieler Personen beim Abnehmen liegt. Hier erst mal der Vortrag:

Die meisten Ärzte werden nicht auf diesen Wissensstand sein, sondern sind deutlich schlechter informiert. Was erschreckend ist, da selbst hier das eine oder andere Problem recht schnell offensichtlich wird.

Bei etwa 10min möchte der Autor erklären, ab wann Übergewicht ein Problem wird. Dazu erklärt er den BMI, weil er diesen (wie er sagt) im restlichen Vortrag oft gebrauchen wird (das tut er dann zwar nicht, aber dazu später mehr).

Er sagt “The reason this [ BMI ] is used, is because it corelates extremely well with total body fat. … the reason why this is important, remember, obesety is not really an access of weight, obesety is an access of fat. If you have excess weight, because you have excess muscle, that’s not a health hazard.”

Übersetzt “Der Grund warum wir das [ den BMI] nutzem, ist das er extrem gut mit der Gesamtmenge an Körperfett korelliert … und der Grund, warum das wichtig ist, denkt dran, ist, dass Fettleibigkeit nicht ein Überschuss an Gewicht, sondern ein Überschuss an Fett ist. Wenn jemand ein erhöhtes Gewicht hat, weil er mehr Muskeln hat, dann ist dies keine Gesundheitsbedrohung”.

Und das kann der Mann am Stück sagen, ohne sich zu wundern. Warum sollte das Gewicht in Relation zur Größe einen guten Hinweis auf den Körperfettanteil geben? Antwort: Weil die Studien zur Fettleibigkeit in erster Linie mit was für Leuten gemacht werden? Richtig, mit denen, die zu viel auf den Rippen haben. Und wenn wir nun 2 Personen haben, die beide 100kg wiegen, die eine aber 20cm größer ist als die andere, dann ist die kleinere Person wohl fetter. Oder aber auch nicht. Denn selbst “fette” Personen können unter dem Fett Muskelmassen haben. Wer sich Strongmen und Kraftdreikämpfer und Gewichtheber in der Schwergewichtsklasse ansieht wird das bestätigen können.

Das Problem verdeutlicht sich noch mehr, wenn wir uns nicht nur den “fetten” Teil der Bevölkerung ansehen, sondern alle. Und jetzt wird dieser Wert mal komplett nutzlos. Eben weil man bei jemanden mit einem BMI von 27,5 nun eben nicht wissen kann, ob die Person nun deutlich zu viel auf den Rippen hat, oder ob wir Vitali Klitschko mit Wettkampfgewicht komplett austrainiert vor uns stehen haben. Bodybuilder werden meist sogar nicht nur als “übergewichtig” sondern schon als “fettleibig” eingestuft werden.

Naja, aber solange man sich bei der Betrachtung auf “Fette” beschränkt ist dies doch kein Problem, oder?

Jein. Zum einen wird der BMI inzwischen von Krankenkassen, Betriebsärzten und auch für die Verbeamtung herangezogen um einen Aussage über den Fettanteil zu erhalten. Und hier wird er eben generell erhoben, und liefert dadurch ein falsches Bild. Und wie oben bereits geschrieben, gibt es auch bei “fetten” Personen deutliche Unterschiede.

Auch wird der BMI in Studien benutzt, die sich nicht nur auf fette Menschen beziehen. Wie wir im Video auch direkt im Anschluss erleben dürfen. Denn nun geht es um den Zusammenhang zwischen BMI und Sterblichkeit. Hier haben wir also Personen, die bunt gemischt sind. Wenig Gewicht, viel Gewicht, groß, klein, fit und weniger fit.

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Er erklärt nun, dass “fitte Personen mit Übergewicht” keine Probleme haben. Ob die Person als “fit” anzusehen ist, wurde durch eine leichte Ausdauerübung erhoben (Stresstest auf dem Laufband, oder etwa 1 Stunde halbwegs zügig gehen). Und jetzt spielen Sportler auf einmal eine nicht ganz unwichtige Rolle. Denn diese werden in der Regel etwas mehr Gewicht haben (da Muskeln eben auch etwas wiegen) und eben auch fit sein.

Laut der Studie haben “fitte Fettleibige” auch nur eine kaum erhöhtes Sterblichkeit (1.1). Arnold Schwarzenegger wäre übrigens zu seiner Wettkampfzeit in diese Kategorie gefallen.

Lässt sich nun daraus schließen, dass man mit etwas Bewegung ruhig deutlich zu viel wiegen darf, ohne ein Problem zu haben?

Nein. Diese Information geben die erhobenen Daten nämlich nicht her. Da der BMI benutzt wurde. Der eben keine Aussage über die Menge an Körperfett machen kann. Das gibt die Zahl einfach nicht her.

Aber dieses krampfhafte Festhalten am Gewicht hört nicht auf. Nun wird dar gelegt, dass man mit Workout und Diät nur  1.1kg mehr an Gewicht verliert, als ohne Workout. Wenn sie ein “intensives” Workout machen sind es 1.5kg mehr an Gewicht. Klingt nach “nicht viel.” Folglich bringt es nicht viel, wenn ich noch zusätzlich trainiere, oder? Laut dem dicken Herrn (sorry) in dem Video nicht.

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Er stellt aber fest, dass trotzdem viele gute Dinge passieren, wenn man trainiert. Nur verliert man eben kein Gewicht.  Und auch hier stellt er nicht die Frage, welche Menge an Körperfett die Personen verloren haben.

Und genau das ist denke ich eines der großen Probleme. Selbst Fachleute, die es eigentlich wissen (wie der Herr in dem Video), fallen immer wieder in die Falle, das reine Gewicht oder eine abhängige Größe (wie den BMI) zu nutzen. Es heißt ja auch “Übergewicht.” Wir hatten lange den Begriff von Normal und  Idealgewicht durch die Gegend geistern. Und daher fokussieren sich viele dieser Studien auf eben genau das – das Gewicht.

Das geht soweit, dass “Verlust an Fett” zwar wahrgenommen wird, aber man daraus keine Schlüsse zieht. Bei 36 Minuten in dem Video zeigt der Herr ein Folie, auf der ganz klar steht, dass das Bauchfett weniger geworden ist. Neben vielen anderen Vorteilen. Gewichtsverlust wird nicht erwähnt – und wieder weist er darauf hin. Man kann nur durch Training nicht “leichter” werden. Schlanker: Ja. Leichter: Nein.

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Das kurz ein sinken lassen.

Man kann also schlanker werden. Nur durch Training.

Und oben wurde ja auch gesagt, dass Muskelmasse kein Problem ist. Und wenn ich schlanker bin, aber das gleiche wiege, dann muss es ja eine Umgestaltung geben habe, oder? Hm. Sollte man darüber evtl. mal nachdenken? Neee… besser man betont noch mal, dass man durch durch Workouts nicht sein Gewicht reduzieren kann.

Aber weiter zum nächsten Thema. Diäten. Und auch hier konzentriert er sich ausschließlich auf den Gewichtsverlust. Und stellt fest, dass nach dem aktuellen Stand der Forschung nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Verhältnis der Makronährstoffe (wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße) einen Unterschied macht. Beim Gewichtsverlust. Wodurch auch dieser Teil leider wieder etwas leidet, weil eben Gewichtsverlust nicht das Ziel sein sollte.

Ein Kilo Muskeln zu verlieren ist deutlich einfacher als ein Kilo Fett. Aber deutlich weniger wünschenswert.

Und dennoch wird hier nicht unterschieden. Jetzt möchte ich aber mal ganz kurz (aber auch nur kurz) aufhören darauf herum zu reiten, und auf einen anderen Umstand hinweisen: Im Schnitt sind die Ergebnisse der Diäten absolut unterirdisch. Nach einem Jahr haben wir 4, 4.5, 5 und 6.5kg Verlust an Körpergewicht. Was laut Dr. Baron statistisch gesehen eigentlich das gleiche ist. Ich denke zwar, dass das 50% mehr Gewichtsverlust zwischen der “besten” und der “schlechtesten” Methode nicht ganz unwesentlich ist, aber hier verlasse ich mich auf seine Aussage. Persönlich würde ich dann aber doch lieber 2.5 Kilo mehr verlieren wollen – insbesondere, wenn es sich hierbei um Fett handelt.

Doch finde ich die Zahlen einfach erschreckend niedrig. Zum Vergleich, ich habe in einem Jahr etwa 50kg abgenommen ( von 140kg auf 90kg), den größten Teil davon in den ersten 6 Monaten, als es mir wichtig war den UHU (Unterhundert) Status zur bekommen. Und dann hatte ich mein erstes Ziel erreicht und habe es deutlich ruhiger angehen lassen, auch weil mich weiter “normal” ernähren wollte (inkl. Fast-Food und Desert). Witziger weise passt das auch gut mit der Information zusammen, die er später im Video herausgibt (so etwa 1h im Video): Nach 6 Monaten lassen die Ergebnisse nah, unabhängig von der Diät.

Wobei aber auch die Frage ist: Was waren Start und Ziel? Wenn jemand 4 Kilo verloren hatte, der 4 Kilo zu viel hatte, dann ist es das ne ganze Menge. Wenn jemand 6.5 Kilo verloren hat, der  20kg zu viel hat, eher nicht.

Auch hier sind die Zahlen an sich also nicht wirklich hilfreich.

Aber warum sind die Zahlen so niedrig?

Bei 54Minuten im Video sagt er, dass wenn man nicht nur das Buch kauft und einfach für sich drauf lost legt, sondern sich einen Ernährungsberater zulegt und die ganze Sache richtig gut angeht, dann kann man etwa 7.5% Gewichtsverlust erwarten. Wer also 90kg wiegt, kann knapp unter 7kg abnehmen. In 6-12 Monaten.

Das ist ein Witz. Ein schlechter.

 

” If you have a weight problem, you monitor your weight.”

Das sagt er bei 1h.4min. Was meinen Punkt von oben wieder verstärkt. Die Leute (inkl. die Experten) wissen, dass es eigentlich ums Fett geht. Aber sie klammern sich mit allen was sie haben ans Gewicht. Selbst wenn es laut ihrer eigenen Aussage keinen Sinn macht, und das Messen des Bauchumfangs eine bessere Methode wäre. Aber das Gewicht als Maßstab ist so drin in unseren Köpfen. Es heißt ja auch “Übergewicht.”

Das muss sich ändern. Es muss endlich der Körperfettanteil herangezogen werden.

Fazit

Der Mann der den Vortrag hält, Dr. Robert Baron, ist ein UCSF Professor of Medicine. Ein Fachmann auf dem Gebiet der Fettleibigkeit. Da kann kein Zweifel dran bestehen. Und seine Ratschläge und Hinweise sind für den größten Teil der Bevölkerung sicher auch im großen und ganzen richtig, insbesondere wenn man sich wirklich nur auf das Gewicht versteift, so wie er es durchgehend (bis auf den kleinen Beisatz bei der BMI Erklärung) tut.

Dichtefunktion

Wenn man die Menge an verlorenen Körperfett auf der X-Achse misst, und dei Anzahl der Personen auf der Y-Achse, dann werden Wissenschaftler und Ärzte ihre Ideen auf die Mitte der Kurve legen. Wenn man aber abnehmen möchte, dann sollte man sich auf den rechten Bereich konzentrieren. Da wo mehr Gewicht verloren wurde.

“Links bis Mittig” sind die Hausfrauen die ein paar Kilo verlieren und die Leute, die einem erklären, warum Diäten bei ihnen nicht funktionieren. Mittig ist die große Masse mit durchschnittlichen Ergebnissen. Rechts sind die Leute, deren Stories man in Magazinen und Webseiten liest.

Ich persönlich bin lieber auf der rechten Seite der Kurve.