lennyIn vielen Kampfsportarten gibt es Abfolgen von Techniken die gegen einen bestimmten Angriff durchgeführt werden. Im Ju-Jutsu sind dies “Techniken in Kombination” im Kenpo die “SV Techniken” und im Karate die Kumite Drills. Und hierbei gibt es ein paar Sachen, die mich immer wieder irritieren. Denn egal wie man zu dieser Trainingsform steht, wenn man ein paar Dinge nicht beachtet, kann die Übung nicht das gewünschte Ziel erreichen. Ganz gleich ob dieses Ziel nun Selbstverteidigung oder nur Schulung von Präzision oder Timing ist.

  • Falscher Abstand. Die Waffe des Gegners, egal ob Faust, Fuß, Stock oder Messer sollte den Verteidiger erreichen können. Und zwar auch so, dass eine vom Angreifer erwünschte Wirkung erreicht werden kann. Das heisst, der Schlag (zum Beispiel) sollte durch den Verteidiger durch gehen, wenn dieser nicht reagiert.
  • Reckstangen Turnen. Warum sollte ein Angreifer seine Waffe weit von sich gestreckt stehen lassen? Er wird seinen Arm oder seinen Fuß wieder da hin bringen wollen, von wo aus er einen neuen Angriff starten kann, oder zumindest einen unterstützenden Effekt hat. Bei Tritten wird der Fuß zum Glück meist wieder abgestellt. Wobei dies wohl eher fehlender Haltemuskulatur und nicht ganz so gutem Gleichgewicht geschuldet sein dürfte. Denn ich habe schon Darbietungen gesehen, bei denen das Bein stehen gelassen wurde, damit der Verteidiger auch ja genug Zeit hat, um einen gedrehten Fußfeger mit dem gestreckten Bein aus dem Kniestand machen zu können. Und das hat in dem Fall durchaus einige Zeit gedauert.
  • Ausweichbewegungen, die den Zweck verfehlen. Typisches Beispiel: Der Verteidiger bringt seinen Körper nach hinten, lehnt aber seinen Kopf dabei nach vorne. In der ersten Hälfte der Bewegung hat die “Ausweichbewegung” den Gegenteiligen Effekt. Im Kenpo nennt man dies “Jet-Lag“, da der Kopf dem Körper eine Zeitzone hinterher hinkt
  • Falsches Timing von überlagernden Bewegungen. Ok, das klingt jetzt etwas kompliziert. Die Idee ist aber recht simpel. Beispiel: Der Verteidiger steht in einer natürlichen Haltung und wird mit einer rechten Geraden angegriffen. Er macht einen Ausfallschritt nach links und wehrt den Angriff nach innen ab. Hierbei gibt es eine Bewegung nach links, eine Bewegung nach vorne und eine Drehung nach innen. Meist werden alle diese Bewegungen zeitgleich ausgeführt. Der Schritt geht diagonal nach vorne während der Oberkörper die Rotation nach innen durchführt. Damit dies auch schön klappt geben sich Angreifer und Verteidiger mehr oder weniger subtile Signale, wann der Angriff denn nun los geht. Jetzt gehen wir mal von einer nicht so idealen Situation aus. Der Angriff kommt überraschend, und die Hände waren anfangs noch unten. Zu Beginn der Bewegung ist die Faust also schon auf halben Weg. Und durch einen Schritt nach diagonal vorn würde der Verteidiger wohl in den Schlag laufen. Und je weiter die Faust schon gekommen ist, um so wahrscheinlicher ist dieser Ausgang. Wenn man aber das Timing einzelnen Bewegungen leicht ändert, erst den Kopf nach links bringt und dann Drehung und Schritt nach vorne zugleich macht, dann bekommt man ein deutlich besseres Ergebnis. Die ganze Bewegung hat nun einen größeren “Spielraum für Fehler“, um eine weitere Kenpo Idee einfließen zu lassen.

Hey, das waren jetzt aber 4 Tipps!

Gut, erwischt. Die letzten beiden gehören eigentlich so eng zusammen, dass ich sie erst als einen Punkt haben wollte. Aber durch das Aufteilen wurden der Text besser lesbar.

Vieles davon wird den meisten hier bekannt sein. Und wenn ich mit Sportlern und Trainern rede, dann nicken auch immer alle. Schaut man aber auf YT, so sieht man genau diese fundamentalen Fehler sehr oft. Auf neueren Videos. Aus vielen KKs. Daher wollte ich einfach mal wieder darauf hin weisen.