Um die Gürtel in Kampfsportarten wie Karate und Judo ranken sich viele Legenden. Bevor ich zu den Legenden komme, möchte ich aber kurz (und recht oberflächlich) auf den Hintergrund der Farbgürtel eingehen.

Der Schwarze Gürtel1883 hat der Gründer des Judo, Dr. Kanō Jigorō, sein Schüler in 2 Gruppen geteilt: Die mit Graduierung (yudansha) und die ohne (mudansha). Wer die Grundlagen des Systems verstanden hatte und anwenden konnte, der hatte die erste Stufe ( = Dan ) erreicht. Die ersten beiden Personen, die einen Dan von Dr. Kanō Jigorō erhielten waren Tomita  Tsunejiro und Saigo Shiro. Schüler mit Graduierung trugen einen schwarzen Gürtel zum Kimono, Schüler ohne Graduierung einen weissen Gürtel.

1907 hat Kanō Jigorō den heute üblichen Judo Gi eingeführt. Die Idee war, dass im Judo alle gleich sind, und Unterschiede durch den Stand in der Gesellschaft auf der Matte in den Hintergrund treten sollen.

Farbige Gürtel wurden 1935 in Europa von Kawaishi Mikonosuke eingeführt, als dieser in Paris Judo unterrichtete. Eine bestimmte Bedeutung haben diese Farben nicht. Sie wurden nur immer dunkler werdend gewählt, damit der Gürtel umgefärbt werden kann.

Funakoshi Gishin übernahm das kyu/dan System und den gi (in einer modifizierten Version) für das Karatetraining, um Karate zu mehr Akzeptanz in Japan zu verhelfen (Karate wurde etwas argwöhnisch betrachtet, da es nicht aus Japan direkt, sondern von den Ryūkyū Inseln stammte).

Legende 1.1: Wasche deinen Gürtel nicht, sonst geht das Wissen verloren

Ich habe keine Ahnung wie diese Legende entstanden ist. Meine Theorie ist, dass sie entweder als Ausrede für einen wirklich ekligen Gürtel aufkam, oder als Scherz gemeint war. Eine Abwandlung dieser Geschichte versucht auch die Gürtelfarben durch einen immer schmutziger werdenden Gürtel zu erklären. Wenn ich mir vorstelle, was mit einem Gürtel passieren muss, damit er von Weiß nach Grün und irgendwann nach Braun und Schwarz wechselt, wird mir irgendwie etwas flau im Magen.

Legende 1.2: Wasche deinen Gürtel nicht, sonst geht das Ki/ Chi/ Qi verloren

Leichte Abwandlung der oberen These. nur geht es diesmal um die mystische Lebensenergie. Diese soll sich wohl auch im Gürtel sammeln. Ein bekannter Judolehrer stellt zu diesem Thema eine ganz provokante Frage: Warum im Gürtel? Und nicht im Kittel? Oder gar der Unterhose? Diese wird ja noch viel näher am Körper getragen?

Also: Vergesst diese Legenden bitte und wascht euren Gürtel regelmäßig.

Legende 2: Der Gürtel darf nicht den Boden berühren

Auch hier habe ich keine Ahnung wo die Legende herstammt. Evtl. ein verzweifelter Versuch den Dreck im Gürtel gering zu halten, von jemanden, der seinen Gürtel nicht waschen wollte? Eine verzweifelte Mutter, die mal wieder über den Judogürtel ihres Filius gestolpert ist? Ich kann es nicht sagen. Fakt ist allerdings, dass der Gürtel in erster Linie dazu da ist den Kittel zusammen zuhalten und den ungefähren Kenntnisstand des Trägers anzuzeigen. Es ist einfach ein Kleidungsstück. Und sowie es keinen besonderen Grund gibt den Gürtel auf den Boden zu feuern, so gibt es auch keinen Grund, dies nicht zu tun.

Legende 3.1: Der Gürtel darf sich auf dem Rücken nicht kreuzen

Eine meiner Lieblingslegenden. Unter anderem, weil ich sie zum ersten Mal auf einem Lehrgang gehört habe von einem wirklich entsetzen Schwarzgurt, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass dies zum einen “Unglück” bedeuten würde, zum anderen zu wirklich gefährlichen Verletzungen führen kann, wenn jemand “hart am Gürtel zieht” oder man “unglücklich auf diese Stelle am Gürtel fällt.” Wer jetzt die Augen verdreht und sich ein leises Kichern nicht verkneifen kann, hat eine grobe Vorstellung wie ich reagiert habe.

Legende 3.2: Der Gürtel muss sich auf dem Rücken  kreuzen…

… um den unteren Rücken zu stützen. Besten Dank an “Lileu”, die mir diese Legende gerade zukommen ließ.

Legende 4: Kreuze den Gürtel in Kriegszeiten

Das war zumindest für mich recht neu. Ich habe dies zum ersten Mal vor ein paar Wochen gehört. Ein befreundeter Karatetrainer hat mich darauf hingewiesen, dass der Gürtel in Kriegszeiten gekreuzt wird, und er, seitdem er dies weiß, nur noch mit gekreuzten Gürtel auf die Matte geht. Weil er da ja quasi in den Krieg zieht.