Kata werden immer mehr formalisiert. Gerade bei Shotokan und Kodokan Judo Kata sieht man das sehr extrem. Im Judo haben die Kata teilweise nichts mehr mit der eigentlichen Idee des Ganzen zu tun. Positionen, Schrittfolgen, jede Kleinigkeit wird reglementiert.

Es geht scheinbar nur noch um die äussere Form. Wenn etwas nicht “funktioniert”, dann stellt man sich nict die Frage warum funktioniert das nicht, sondern es wird drumherum gearbeitet. Um den Schein zu vermitteln, dass es funktionieren würde. Da muss der Partner dann ohne Grund springen, damit sich beide dann mit hölzernen Schritten in die Ausgangsposition für den nächsten Teil des sinnbefreiten Tanzes begeben können.

Vergleicht mal dieses Video von 1964 mit einem aktuellerem Video wie diesem hier. Vergleicht einfach mal die Bewegungen und die Körperhaltung. Welche Version wirkt natürlicher?

Im Karate ist es nicht anders. In Stilen wie Shotokan wird die äussere Form sehr stark bewertet. Das ist klar, denn was sollen die Kampfrichter denn sonst auch bewerten? Kampfrichter, die auf offenen Turnieren evtl. nicht mal aus dem gleichen Stil kommen?

Dadurch verliert sich aber immer mehr der Sinn der Kata. Fragt euch doch mal selbst: “Warum übt man Kata?”

Warum haben die Meister früher Jahre mit dem Üben einer einzelnen Kata verbracht, wenn es nur ein paar aufeinander folgende Bewegungsabläufe sind? Seht euch mal die typische Bunkai der Katas an. Wie oft muss da geschummelt werden, damit die Bewegung klappt? Warum sollten Angreifer in einer bestimmten Reihenfolge aus genau definierten Richtungen kommen?

Die Kata sind dazu gedacht gewesen, wichtige Konzepte zu vermitteln. Die Techniken die eingesetzt wurden waren nicht gerade zimperlich. Denkt mal daraüber nach, ob euer Block wirklich ein Block ist. Ob euer Zuki wirklich ein Schlag ist. Ob eine Wendung wirklich dazu dient sich einem neuen Gegner zu stellen.

Kata wurden zum Teil im Verborgenen trainiert. Wenn jeder Schlag nur ein Schlag und jeder Block nur ein Block ist, dann gibt es nicht wirklich viele Geheimnisse in den Kata die es zu schützen gelohnt hätte.

Oder macht es manchmal mehr Sinn, den Block als einen Schlag zu sehen, oder als eine Befreiung aus einem Griff oder gar als Ansaztz eines Hebels? Evtl. ist ein Zuki manchmal auch ein Greifen des Gegners? Evtl. dienen manche Drehungen dazu den Gegner wegzuschleudern? Oder ihn zu werfen? Was wäre wenn bei einigen Bewegungen der Angriff kein Schlag oer Tritt wäre, sondern ein Festhalten der Arme oder ein Griff in die Jacke?

Kata sind keine toten Bewegungsabfolgen. Oder sie brauchen es auf jeden Fall nicht zu sein. Erfüllt sie wieder mit Leben. Findet eine Anwendung die für euch wirklich Sinn macht. Eine Anwendung, die den Gegner wirklich unter Kontrolle bringt.

Füllt die äussere Form mit Leben.