Ich kann manchmal ein ziemlich Arsch sein. ich weiß, ich weiß. Einige von euch denken sich jetzt “Aber Lenny, was meinst Du mit manchmal?” und da kann ich dann auch nur mit einem koketten Schulterzucken antworten. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Obwohl ich durchaus in der Lage bin, um den heißen Brei herum zu reden, tue ich es meist nicht.

“Was ist Deine Ausrede?”

Dieser Satz, gerne auch mal auf Englisch ist gerne auf diversen Motivationspostern zu sehen. Hier mal ein paar Beispiele.

excuse00 excuse05 excuse01

excuse03

Das erste Bild ging durch die Medien, weil sich darüber einige Leute aufgeregt haben.

Sie fanden es nicht motivierend, sie hatten den Eindruck angeklagt zu werden. Und haben sich bitterlich beklagt und zum Teil recht Hasserfüllte Briefe an die Dame auf dem Foto geschrieben.

Und das ist der Punkt, wo ich wirklich Probleme habe, die Beweggründe zu verstehen.

“Ich fühle mich wohl, so wie ich bin”

Diesen Satz hört man oft – und ich bin mir sicher, dass er auch sehr genau so gemeint ist. Als ich zu dick war (ok, seien wir ehrlich: ich war fett), hab ich mich wohl gefühlt. Klar, hatte ich hier und da einschränkungen, oder mir ging mal schneller die Luft aus, aber eigentlich hab ich mich wohl gefühlt.

Aber wer sich wohl fühlt, der würde kaum Hate-mails an jemanden schreiben. Wenn ich keine Ausrede brauche, dann geht eine Frage wie “was ist Deine Ausrede” an mir vorbei. Ich bin nicht die Zielgruppe.

Wenn ich mich davon aber angesprochen fühle, dann gibt es den Wunsch etwas zu ändern.

Und wenn ich mich angegriffen fühle, dann liegt das wohl daran, weil der Versuch etwas zu ändern schon oft fehl geschlagen ist.

“Sollte ich etwas ändern?”

Wer diese Frage stellt, ist sich zumindest nicht sicher. Eine kurze Bestandsaufnahme kann da weiter helfen. Fotos in Badekleidung von vorne, hinten und der Seite können eine Idee sein. Ich hatte zum Beispiel ein komplett anderes geistiges Bild von mir.

Wenn man sich nicht sicher ist, kann es auch helfen kleine Änderungen am Lebensstil zu machen. Etwas weniger Zucker. Etwas weniger Fast-Food. Mehr Wasser trinken. Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und ausreichend schlafen.

Das bringt nicht viel, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

“Warum klappt das bei denen?”

Es ist meist eine Frage der Priorität. Wie sehr will man etwas. Wer bereit ist eine ganze Menge anderes Zeug für eine gewisse Zeit hinten an zu stellen, der wird Fortschritte machen.

Ein Beispiel aus einem Forum. Jemand wollte Fett verlieren. Er würde auch so ziemlich alles dafür tun. Außer auf seine Tüte Gummibärchen am Tag zu verzichten.

Und das war dann wieder einer der Momente, wo ich mich frage, was der Typ geraucht hat. Das ist wie der Witz, wo die hübsche Studentin zu ihrem Prof sagt: “Ich würde alles für eine gute Bewertung tun!” – Leise fragt dieser “Alles?” worauf sie mit einem Augenaufschlag antwortet “Ja, wirklich alles…” – “würden Sie auch… lernen?”

Wenn einem etwas wirklich wichtig ist, dann findet man einen Weg. Sonst findet man eine Ausrede. Daher ist es wichtig seine Prioritäten zu kennen und realistisch einzuschätzen. Wem Gummibärchen wichtiger sind als seine schlanke Linie, der hat eben deutlich schlechtere Karten. Wem es wichtig ist, sich beim Training wohl zu fühlen, der wird nicht immer sein volles Potential ausnutzen.

ali-quote

 

Das bedeutet aber nicht, dass jeder sein Leben nach seinem Training ausrichten sollte. Aber man sollte seine Prioritäten kennen. Ich habe zum Beispiel inzwischen kaum noch Zeit zum Fernsehen oder zum Zocken, einfach weil ich Dinge habe, die mir wichtiger sind.

“Aber…”

Aber was immer Du machst, fahre nicht jemand an den Karren, der etwas erreicht hat, das Du nicht erreicht hast. Sie (oder er) hat dafür Dinge hinten angestellt, die Du genießen konntest. Alles hat immer zwei Seiten.