© Depositphotos.com / VolodymyrBur

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So blöd es auch ist: Wir stehen uns beim lernen von Bewegungen oft selbst im Weg. Dabei kann man das leicht ändern.

Du musst die Schulter mehr belasten.” Als Antwort erhalte ich einen seltsamen Blick. “Ich weiß. Unter Belastung vergesse ich das immer.

Oft ist genau bekannt, wie eine Bewegung, eine Wurf, ein Übergang eine Kombination “richtig” ist. Nur macht der Körper nicht immer das, was man will. Bei dem einen oder anderen führt das zu dann auch mal zu inneren Dialogen. “Du musst nur XY machen. Warum klappt das nicht? Streng Dich doch mal an!” Und im nächsten Versuch sieht man die Anspannung. Gerne entgleist dabei mal die Mimik, Kiefer- und andere Muskeln sind durchgehend angespannt. Die Augen eng zusammengekniffen, und dann geht man noch mal ran. Und oft wird es durch diesen Druck nicht besser.

Was macht man nun? Man kann das Tempo raus nehmen. Dann klappt es meist besser, aber langsam trainieren wird oft als “Übung für die Schlechten” wahr genommen (was es zwar nicht ist, aber das hilft in dem Fall kaum weiter).

Ist Loben schlecht?

Dieses Schema wird oft genutzt: Aufgabe geben, üben lassen. Große Probleme (also alles, was zu Verletzungen führen könnte) sofort korrigieren, sonst weiter üben lassen. nach einiger Zeit in der ersten Korrektur Runde nur loben. Üben lassen. In der zweiten Runde (einige Zeit später) wird dann eine Korrektur zwischen zwei positive Dinge geklatscht. “XYZ ist gut. Du könntest noch versuchen DFG  zu machen. Gefällt mir!” Die Idee dahinter ist, eine positive Stimmung zu schaffen, damit die Korrektur auf einen fruchtbaren Boden fällt. Und das klappt auch ganz gut, es sei denn, es gibt klare Erfolgskriterien, die die übende Person selbst kontrollieren kann.

Ein Beispiel: Fallschule wird geübt. Nach der ersten Runde Rolle sagt der Trainer “Klasse, alle sind perfekt gerollt. Man hat keinen Ton gehört. Weiter so.” Und schon wird die nächste Runde nicht mehr so gut ausfallen. Man wird auch nach eigentlich guten Rollen kritische Gesichter sehen. Denn es wurde eine Erwartungshaltung geschaffen. Und dann läuft in den Köpfen wieder der Monolog ähnlich dem oben genannten ab.

Wer führt den inneren Dialog?

Zu einem Dialog gehören bekanntlich zwei. Ein Teilnehmer kontrolliert und bewertet die Bewegung. Und der andere muss sie machen. Und ihm wird durchgehend vom ersten rein geredet. Auch bei der Bewegung. Was dann natürlich zu Problemen führt. Und wenn dann unser innerer Richter mal eine Meinung hat, wie zum Beispiel “Das klappt bei mir nie“, dann wird das schnell zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung. Dabei sind Fehler normal. Und eigentlich auch eine gute Sache. Denn Fehler bedeuten, dass wir gerade etwas machen, was wir noch nicht können. Wir sind also dabei etwas zu lernen. Was gut ist. Wenn da nicht der Anspruch wäre, alles zu können zu wollen. Direkt. Ohne diese nervige Lernphase.

Aber ohne Momente wie diese

wird eine katze nicht sowas hier lernen

Lern wie eine Raubkatze

Eine junge Raubkatze ist tapsig. Sie bekommt erst mal nichts auf die Reihe. Aber es macht ihr niemand Vorwürfe. Sie sich selbst auch nicht. Keiner macht ihr nen schlechtes Gewissen, weil sie noch nicht durch die Gräser streift und Beute erlegt.  Wenn sie älter wird, geht schon deutlich mehr. Aber es muss noch viel gelernt werden. Das Timing wird nicht immer stimmen. Beute wird davon kommen. Fehler gehören zum Lernen dazu.

“Ich habe immer und immer wieder gepatzt. Und darum komme ich voran.”
– Micheal Jordan

 

Idealerweise sollten wir erkennen, was an einer Bewegung noch nicht ideal ist. Aber es dann nicht bewerten. Das ist beim Lernen erst mal nicht gut oder schlecht. Es ist einfach. Wir kennen die Bewegung, müssen sie aber erst noch verinnerlichen. Wir müssen etwas immer und immer wieder konzentriert üben, bis wir die Bewegung automatisch ablaufen lassen können. Und das braucht eben Zeit. Das ist nicht gut oder schlecht. Es ist einfach so. Wenn wir es schaffen, zu üben ohne zu werten, Fehler wahr zu nehmen aber nicht zu verdammen, dann werden wir besser.

Es gab eine Studie zum Trainingsverhalten von Eiskunstläufern. Dabei kam heraus, dass die besten Läufer sehr oft Sprünge üben, die sie selbst als “schwierig” einstufen. Gute Eiskunstläufer fallen im Training daher deutlich häufiger als weniger gute. Fehlschläge gehören zum besser-werden dazu.

Mache Sachen, die du noch nicht kannst!

Wir haben dann am meisten vom Training, wenn wir etwas probieren, was wir noch nicht können. Das knapp außerhalb unserer Reichweite liegt. Etwas nach dem wir uns strecken müssen. Und dabei eben auch Fehler machen. Wieder und wieder. Aber das ist gut. Fehler beim Training sind nicht schlecht. Sie sind notwendig. Unser Ego muss hier einfach mal einen Schritt (oder zwei) zurück gehen. Und aufhören alles in “gut” oder “schlecht” einordnen zu wollen. Und wenn man es so sieht, dann bekommt der Spruch “Gib Dein Ego an der Mattengrenze ab” eine ganz neue Bedeutung.

Die Ideen hier stammen zum größten Teil aus “Bounce” und “The inner game of Tennis” – Mehr zu diesen Büchern (und weitere interessante Bücher) habe ich hier vorgestellt: