Durch die Arbeitsgruppe “Prüfungsprogramm” ist das JJ2k derzeit wieder hoch im Gespräch. Dabei kristallisiert sich heraus, dass das Problem in den Augen vieler gar nicht die PO ist, sondern das Training. “Sparring machen wir nicht”, “Wer soll sich die ganzen Kombinationen merken”, “Alles viel zu viel”, etc.

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung als Trainer sagen, dass die aktuelle Prüfungsordnung nicht zu umfangreich ist. Man bekommt das Programm gut durch, hat Leute die sich gut bewegen können und die technisch versiert sind. Allerdings tritt dabei die “Techniken in Kombination” also das “Reckstangen JuJutsu,” bei dem der Angreifer nach seiner ersten Attacke steif stehen bleibt und dem Partner am ausgestreckten Arm turnen lässt, etwas in den Hintergrund.

Mein Vorschlag ist es, neben der PO auch Ideen für den Unterrichtsinhalt vorzuschlagen. Geht man von 6 Monaten Vorbereitung und 2 mal Training pro Woche aus, so kommt man auf 8 Einheiten im Monat x 6 Monate = 48 Einheiten. Wenn wir davon ausgehen, dass einzelne Inhalte bis zu 3mal wiederholt werden, damit sie sich ausreichend einschleifen können, dann hätten wir 16 einzelne Einheiten zu Einzelthemen. Damit der Schüler und das Dojo Freiraum für ihre eigenen Schwerpunkte haben, schlage ich 2/3 Kernprogramm (10 Einheiten oder 11 Einheiten) und 1/3 Schulprogramm (5 oder 6 Einheiten) vor.

Wenn man an der bestehenden PO nichts ändert, dann könnte  das Kernprogramm auf Gelb in etwa so aussehen:

Kernprogramm (10 Programmpunkte, insgesamt 30 Einheiten Unterricht)

  1. Stand, Auslage (powerside front/back), Step, Jab, Cross, Step+Jab,
  2. Evasion Basics (beweglicher Oberkörper), Jab mit Jab kontern,
  3. Hook, Distanz, Schlagkombis
  4. Haltegriffe und Wechsel von Haltegriff zu Haltegriff
  5. Armstreckhebel und Armbeugehebel aus Kesa Gatamae
  6. Ukemi (Sturz), Beinsteller, Closing the distance
  7. Juji Gatamae (Mount, aus Knee on Stomach nach Beinsteller)
  8. SV: Handballentechniken, Körperabbiegen, Stress/ Szenariotraining
  9. SV: Grifflösen / Griffsprengen, Knietechniken, Stress/ Szenariotraining
  10. SV: Stoppfussstoß, Stress/ Szenariotraining

Als Gegenpol zum Trainingsschwerpunkt wird nach dem generellen Aufwärmen und beim Auspowern am Ende Übungen aus anderen Gruppen eingesetzt. Beispiel:

Bei den Einheiten 1-3 zB. : Bewegungen am Boden (Gimnastica Natural, Yoga, Animal Movements); bei 5-6 Schattenboxen und Pratzen bei 7-10 Übungen zur Fallschule

Dadurch ist in allen Einheiten immer das gesamte Spektrum vertreten.

In den 6 Verbleibenden Einheiten kann das Dojo seinen Schwerpunkt wie gewünscht setzen. Hier werden zwar Vorschläge gemacht, doch ist dieser Inhalt nicht vorgeschrieben, und jede Schule kann hier den Schwerpunkt selbst setzen.

Dojo-Curriculum (6 Punkte, 18 Unterrichtseinheiten)

Beispiele: Kombinationen, Bodenkampf, DUO, Pointfighting, Schlagdrills, Sparringdrills.
Hier sollten Vorschläge gemacht werden, die aber nicht zwingend sind.

 

Der Unterricht auf Gelb könnte dann wie folgt aussehen: Trainingsplan Gelb (PDF)

Ähnliche Programme könnten für alle Gürtelgrade erstellt werden.

Durch gleiche Kernmodule für alle Schulen ist ein gleicher Kenntnisstand sicher gestellt. Durch die Einheiten, die jedes Dojo für sich gestalten kann, kann jeder seinen Schwerpunkt auf einen anderen Bereich legen.

Mir ist klar, dass der Schritt von einer Prüfungsordnung zu einem Ausbildungsprogramm groß ist, aber ich sehe derzeit keine Möglichkeit die aktuellen Probleme zu lösen und einen gleichmäßigen Ausbildungsstand zu gewährleisten.

Über Kommentare würde ich mich freuen, auch wenn ich mir bereits denken kann, dass sie nicht nur positiv sein werden.