Frau wird in dunkler Gasse angegriffen

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Judo zur Selbstverteidigung? Oder lieber Boxen? Wäre sowas wie Krav Maga nicht besser? Was macht denn die Polizei? Oder doch lieber auf die Spezialeinheiten kucken?

Will man eine heiße Diskussion entfachen, so braucht man nur in einem Kampfsportforum die Frage stellen, ob “Kampfkunst der Wahl” zur Selbstverteidigung geeignet ist. Und so fort bekommt man die  Antworten. Ja! Nein! Niemals! Habe schon 17 bewaffnete Bären mit der KK erledigt! Wer meint sich damit verteidigen zu können, der hat keine Ahnung! Und so weiter und so fort.

Woher kommt das?

Zum einen, haben unterschiedliche Leute ein komplett anderes Verständnis von Gewalt. Je nach dem wo man lebt, und in welchem Umfeld man sich aufhält, ändert sich das gewaltig. Es gibt inzwischen eine Annäherung, weil Action und Prügelsequenzen inzwischen in immer mehr Filmen eine vorkommen, Videos auf Facebook geteilt werden und es dann auch teilweise ins TV schaffen.

Aber dennoch ist für den einen einen ein verlorener Kampf ein blaues Auge mit ein paar Schürfwunden, während ein anderer sich dann Sorgen um Knochen, innere Blutungen oder Schnittverletzungen macht. Die Bandbreite an wahr genommener und erlittener Gewalt ist riesig. Daher sind auch die Anforderungen an eine Kampfsportart sehr vielfältig.

Wenn man seine Sicherheit gewährleisten will, dann ist es immer eine gute Idee nicht da zu sein, wo man weiß, dass es oft Ärger gibt. Wenn es Freitag Abends gerne mal Schlägerein beim Club XYZ gibt, dann gehen die Leute, die sich prügeln wollen eher hin – was die Chancen Ärger erhöht. Also ist es ne gute Idee, sich evtl. nicht in Gefahr zu bringen. Andererseits gilt ja noch immer das John Wayne Prinzip: “Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen.

Also, was tun?

Prinzipiell ist eine KK nicht schlecht. Insbesondere, wenn mit Kontakt trainiert wird lernt man schnell nicht die Birne da zu haben, wo der Schlag ist, Andererseits bekommt man in einer durchschnittlichen Trainingswoche dann genau die Prügel, denen man eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Aber man sieht es nicht mehr so. Wenn man eine “kontaktärmere” Sportart wählt, dann bekommt man weniger ab, lernt aber ein paar Lektionen langsamer oder vielleicht auch gar nicht. Und wenn man sein Zeug  nicht gegen jemanden testet, der sich nicht prügeln lassen will, dann übt man gerne Dinge, die einem in einem Kampf nicht wirklich helfen.

Wie kommt es aber, dass manche Leute mit so ziemlich allen in einem Kampf bestehen, weil andere mit der “ultimativen SV” auf die Nase bekommen?

Weil Selbstverteidigung in erster Linie eine Frage der Einstellung ist.

Ich kann total schnell, stark und gut trainiert sein. Wenn ich die Situation verpasse in der ich abhauen kann oder wenn ich die Situation verpasse in der ich die Situation beenden hätte sollen – dann werde ich einstecken. Mal mehr mal weniger.  Und selbst wenn ich den richtigen Zeitpunkt für die Eskalation finde (wenn es für so etwas einen richtigen Zeitpunkt  gibt), dann sind die Chancen sehr groß, dass ich nicht unbeschadet davon komme.

Man sollte wissen, für was man persönlich bereit ist zu kämpfen. Und dann mit den Konsequenzen (rechtlich und gesundheitlich) leben. Und wenn man nicht bereit ist mit den Konsequenzen zu leben, dann sollte man versuchen, ihnen aus den Weg zu gehen. Viele Menschen, die Kampfsport trainieren, machen sich keine Gedanken über Konsequenzen im Ernstfall.

Aber Dinge, die im Training super harmlos sind, können “auf der Straße” derbe Folgen haben.  Nehmen wir mal das Beispiel Judo – werfe ich jemanden mit einem Schulterwurf der keine Ahnung von Fallschule hat, dann wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit Auf Nacken, Kopf oder Schulter krachen. Stellt euch vor, ihr rammt den Kopf von jemanden aus knapp anderthalb Metern mit Schwung und voller Wucht gegen eine Wand.

Macht euch klar, was passieren kann. Macht euch klar, wann ihr bereit seid das in Kauf zu nehmen. Ohne Actionheld Fantasien. Und dann handelt entsprechend.