Ich fürchte nicht den, der täglich 1000 Techniken übt, sondern den, der täglich 1000 mal eine Technik übt.

– Bruce Lee

Nimmt man sich dies zu Herzen, und möchte man für den “Ernstfall” besser gewappnet sein, dann macht es Sinn, sich mit den häufigsten Angriffen auseinander zu setzen, und dann eine passende Erwiederung zu finden. Wenn man nach einer solchen Liste sucht, dann findet man die folgende Aufstellung immer wieder:

  1. Eine Person schubst mit der Hand zur Brust, oft gefolgt von einem Schlag mit der anderen Hand zum Kopf
  2. Schwinger zum Kopf
  3. Einhändiger Griff in die Kleidung von vorne, gefolgt von einem Schlag zum Kopf.
  4. Beidhändiger Griff in die Kleidung gefolgt von einem Kopfstoß
  5. Beidhändiger Griff in die Kleidung gefolgt von einem Kniestoß zum Unterleib
  6. Ein Schlag mit einer Flasche, einem Glas oder einem Aschenbecher zum Kopf
  7. Ein Schnappkick zum Unterleib oder zu den Beinen
  8. Eine zerbrochene Flasche / ein zerbrochenes Glas, das in das Gesicht gerammt wird
  9. Ein Schnitt mit einem Messer
  10. Schwitzkasten

Diese Liste wird meist Statistiken von Justizbehörden zugeschrieben, allerdings habe ich dafür keine guten Belege gefunden.  Die Liste “scheint” aber für mich recht nah an der Realität zu sein. Ein wichtiger Punkt noch zu Angriff Nummer 10: Die meisten Kämpfe scheinen nach einer kurzen Schlagabtausch recht schnell in ein Schwitzkasten-Duell zu enden, es könnte also Sinn machen, diesem Angriff nicht zu stiefmütterlich zu behandeln.

Beim Üben der Verteidigung ist es wichtig, nicht aus der typischen “Kampfhaltung” zu arbeiten, da man diese selten in einer solchen Situation einnehmen wird. Statt dessen sollte eine versteckte Verteidigungshaltung eingenommen werden. Man steht leicht seitlich zum Gegenüber und benutzt eine sehr aktive Gestik, um die eigenen Hände zum einen in Bewegung und zum anderen zwischen den Waffen des Gegners und den Zielen am eigenen Körper zu halten.

Dies nennt Geoff Thompson “The Fence”, also den Zaun. Er schlägt vor diesen Zaun täglich zu üben, und zwar in jedem Gespräch, damit die Gestik, die man als Verteidigung nutzen möchte natürlich wirkt.

Ein wichtiger Punkt, den er ebenso anspricht, ist die Wahl des Ziels beim Gegen- oder Präventivangriff. Er schlägt vor ein Ziel entlang Kieferlinie zu suchen. Dies hat die Vorteile nicht in Gefahr zu laufen, die Hände an den Zähnen des Gegner zu verletzten, auch ist ein Angriff auf die komplette Kieferline ein potentieller Knock-Out.

Wenn man jetzt wieder zu dem Bruce Lee Zitat von oben zurück kehrt, so bedeutet dies, dass man einen Schlag mit seiner starken Hand zum Kiefer aus dem Gestikulieren heraus üben sollte. Dies lässt sich gut am Boxsack oder an Schlagpratzen üben.

Andere sehr gute Übungen diesen Schlag zu verbessern ist das Werfen eines kleinen Medizinballes so schnell und so weit wie möglich. Wenn ihr in einer Halle oder Daheim übt, dann kann man den Ball auch gegen einen Boxsack oder eine Weichbodenmatte werfen. Diese nehmen einen Großteil der Energie auf und lassen den Ball deutlich weniger weit zurück prallen. Wichtig ist aber, dass man hier die Wucht langsam erhöht und nichts Zerbrechliches in Reichweite hat.

Die Idee mit dem Medizinball auf einen Boxsack habe ich aus einem Video von Ross Enamait.

Ich möchte jedem, der Interesse an Kraft- und Ausdauertraining für Kampfsportler hat empfehlen, einen Blick (oder mehr) auf die Videos von Ross zu werfen. Sie sind zum einen sehr motivierend, und zum anderen gibt es hier jede Menge gute Ideen zu entdecken.

Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um.

– Jesus Sirach 3, 27

Abschließen möchte ich mit einem guten Ratschlag: Versucht am besten nicht in eine Situation zu kommen, in der es gefährlich werden könnte. Vertraut eurem Bauchgefühl. Wenn ihr das Gefühl habt, dass sich in einem Lokal Leute aufhalten, die Streit suchen, ist es evtl. eine gute Idee dieses Lokal zu meiden. Wenn ihr das Gefühl habt, dass sich die Situation zuspitzt, dann geht an einen ruhigeren Platz.

Bildnachweis:
– “Black Eye” Thumbnail von Flickr (Creative Commons Licence)