Sepp Haas zeigt eine Ju-Jutsu Kombination

Man kann an Selbstverteidigungs (Technik) Kombinationen auf zwei Arten heran gehen.

  • Synthese – ich beginne mit einer Haupt-Technik und bilde um diese die Kombination herum. In welcher Situation kann ich die gefragte Technik anwenden? Wie komme ich zu dieser Position? Was mache ich von da aus.
  • Analyse – ich habe eine Kombination und zerlege diese diese in Bewegungsmuster, untersuche was ich anpassen muss, unm sie unter verschiedenen Umständen zum Funktionieren zu bringen, erkenne Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Abläufen.

Im Ju-Jutsu wird gefordert, dass die neuen  Techniken für die Prüfung in einer Kombination gezeigt werden. In der Regel entwickeln die Prüflinge diese Technik selbst, in dem sie einen für sich stimmigen Fluss von Einzeltechniken so kombinieren, das die verlangte Technik sinnvoll demonstriert werden kann.
Ed Parker schlägt Frank TrejoIn Ed Parker’s American Kenpo sind die Techniken vorgegeben. Es gibt 154 Techniken. Für jede der Techniken ist der Angriff festgelegt und ebenso die Reaktion des Verteidigers. Innerhalb der gleichen Linie gibt es hier auch nur marginale Unterschiede. Die eigentlichen Techniken (wie Schläge, Blocks, etc.) werden dem Schüler meist am Anfang in einer Rohform beigebracht und es wird erwartet, dass jede dieser Techniken (im Kenpo Jargon “Basics”, also Grundlagen genannt) stehts verfeinert werden.werden. Ob es legitim ist möglichst viele der Techniken in einer einzigen Kombination zusammen zu fassen, ist eine Frage, die von verschiedenen Prüfern unterschiedlich beantwortet wird. Auch haben unterschiedliche Prüfer unterschiedliche Vorstellungen, wie die “ideale” Kombination aussehen sollte. Dies führt bei Prüfungen mit Fremdprüfern gerne mal zu Überraschungen.

Beim Ju-Jutsu kann der Schüler seine eigene Kombination erschaffen und bekommt mit der Zeit ein Gefühl für Situationen. Er wird Vorlieben entwickeln, und seine Kombinationen in dieser Richtung ausprägen. Das ist eine gute Sache, solange der Schüler genug Anreiz hat, neue, ungewohnte Muster zu probieren und nicht an seinen bekannten Methoden kleben bleibt. Daher bin ich ein großer Freund von Lehrgängen. Gerade im Ju-Jutsu werden eine Vielzahl von Lehrgängen mit Personen aus verschiedenen Kampfkünsten angeboten. Auch das Ju-Jutsu Bundesseminar kann man man jedem nur wärmstens ans Herz legen.

Im Kenpo wird dies zu einem großen Teil durch die Techniken abgedeckt. Die Techniken sind so aufgebaut, dass Angriffe auf unterschiedliche Methoden abgearbeitet werden. Es werden Prinzipien gezeigt und unterschiedliche Bewegungsmuster eingeschleift und verknüpft. Mir persönlich ging es schon häufig so, dass in einer Technik ein ungewohntes Bewegungsmuster enthalten war. Etwas, das man selbst “nie machen würde.” Wenn man ein ungewohntes Bewegungsmuster häufiger trainiert, dann fühlt es sich nach recht kurzer Zeit schon nicht mehr ungewohnt an. Und ein paar diese Bewegungsmuster, von denen ich dachte, dass ich sie nie machen würden, sind inzwischen zu meiner zweiten Natur geworden.

Das Ziel beider Methoden ist identisch: der Schüler soll in die Lage versetzt werden, eine auf die Situation passende Antwort für das vom Angreifer gestellte Problem zu finden. In der Regel wird auch ein Mix von Analyse und Synthese benutzt. Kenpo Schüler werden gerne zum improvisieren angehalten und müssen auch eigene Kombinationen entwickeln. Der Schwerpunkt der Lehrmethode ist aber klar die Analyse der SV-Kombinationen und der Formen. Beim Ju-Jutsu werden oft auch vom Trainer Kombinationen vorgegeben. Der Schwerpunkt liegt aber klar bei der Synthese, also dem Aufbau eigener Kombinationen aus den vorgegebenen Einzeltechniken.

Ich möchte daher einen Austausch zwischen Kenpo un Ju-Jutsu anregen. Ich denke, hier liegt ein großes Potential.