Ich hatte vor kurzem ein interessantes Gespräch mit einem Neueinsteiger in die Kampfkünste. Er hatte das Gefühl “alles falsch zu machen”, kam sich “doof” vor und hatte den Eindruck langsam zu lernen.

“Schwächen zu trainieren macht mit der Zeit aus Schwächen Stärken.”

Er konnte es nicht erwarten besser zu werden und eine höhere Graduierung zu erreichen, damit er endlich “richtig” trainieren kann. Das Problem ist nur, dass jeder immer die Dinge traineren sollte, in denen er nicht so gut ist. Schwächen zu trainieren macht mit der Zeit aus Schwächen Stärken. Und dann findet man sicher einen anderen Bereich, in dem man sich verbessern kann, und dann noch einen und noch einen…

“Solange man  immer weiter geht ist alles in Ordnung und man nähert sich seinem nächsten Ziel”

Anders gesagt, man lernt nie aus. Man wird immer irgendwie das Gefühl haben, das man eigentlich “viel besser” sein sollte. Und das ist auch gut so. Betrachtet man die Kampfkünste als einen Weg, dann ist der Unterschied zwischen einem Schwarzgurt und einem Weissgurt ist eigentlich nur, dass der Schwarzgurt etwas früher losgelaufen ist. Manch einer geht schneller, der andere langsamer. Hin und wieder wird auch mal eine Rast eingelegt. Solange man  immer weiter geht ist alles in Ordnung und man nähert sich seinem nächsten Ziel.

Der Schwarze Gürtel

Einer der großen Unterschiede zwischen Schwarz- und Weissgurten ist allerdings wie der Fortschritt wahrgenommen wird. Bei einem Weissgurt wird noch recht wenig erwartet. Wenn er etwas richtig macht, wird er gelobt, man weist ihn auf die gröbsten Fehler hin und lässt ihn weiter üben. Je dunkler die Bauchbinde jedoch wird, um so höher werden die Erwartungen. Dies ist einerseits gut, denn ein dunkler Gürtel soll ja auch eine gewisse Fertigkeit ausdrücken. Jedoch ist es deutlich schwerer zu sagen, was nun der “erwartete” Stand ist. Man selbst hat hoffentlich eh höhere Erwartungen an sich selbst, wodurch es nicht einfacher wird.

Und dann kann man sich schon mal nach der Weissgurtzeit zurücksehnen. Oder man versucht einfach im Geiste immer ein Weissgurt zu bleiben. Wissbegierig, stets bemüht zu lernen. Dinge, die noch nicht so klappen als Herausvorderungen zu sehen. Und wenn man vor die Wahl zwischen dem leichten und den steinigen Weg gestellt wird, ruhig mal den steinigen Weg nehmen.

Dann fühlt man sich bei der Ankunft deutlich wohler und das Gefühl etwas geschafft zu haben entlohnt für all die Mühen. Wir gehen oft den leichten Weg. Wenn wir etwas berechnen müssen, dann zücken wir den Taschenrechner (oder öffnnen die Taschenrechner App auf dem Smartphone). Wir versuchen immer möglichst nah an unserem Ziel zu parken, und kreisen dafür länger als wir von einem ein Stück entfernten Parkplatz gelaufen wären.

“Das Gefühl etwas geschafft zu haben entlohnt für all die Mühen”

Es sind die kleinen Dinge, die auf  Dauer einen großen Unterschied machen. Denn diese kleinen Dinge ändern unsere Einstellung wenn es um das Angehen von Problemen geht. Man gewöhnt sich an, Dinge einfach zu machen. Der “innere Schweinehund” macht uns oft vor, dass kleine Aufgaben gewaltiges Unwohlsein verursachen können. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, Dinge einfach anzupacken und vor kleinen Unanehmlichkeiten nicht kapituliert, dann wird vieles nicht mehr als Problem wahrgenommen und einfach gemacht.

Daher: nehmt die kleinen Mühen auf euch. Im Training wie im Leben. Bleibt offen für neues, hört nie auf zu lernen.